Stammfolge der Röse – Roese
aus Ringleben, Kr.Erfurt in Thüringen.
(Zusammenfassung von Herbert E. Roese)
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Ringleben (bei Gebesee) in Thüringen
Ringleben ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Sömmerda im unteren Geratal, 15 km nördlich der Landeshauptstadt Erfurt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt Gebesee. Seit 1994 ist Ringleben zusammen mit den Nachbargemeinden Andisleben und Walschleben sowie der Stadt Gebesee in der Verwaltungsgemeinschaft Gera-Aue zusammengeschlossen. Mit der Auflösung der Alt-Kreise Sömmerda und Erfurt-Land und der Neugliederung des Landkreises Sömmerda am 1.7.1994 kam die VWG "Gera-Aue" zum Landkreis Sömmerda. Der Ort befindet sich in einem uralten und geschichtsträchtigen Siedlungsgebiet.
Die Gemeinde gehört zu den ältesten Siedlungen Thüringens. Zu Beginn des 9. Jahrhundert wird Ringleben erstmalig in einem Verzeichnis der von Erzbischof Lullus von Mainz († 786) in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Hersfeld von 'Freien Verliehenen Gütern' urkundlich als Ringelebo erwähnt (dieses könnte sich aber auch auf Ringleben/Artern bei Frankenhausen beziehen). Dem 5. Jahrhundert werden im allgemeinem die Ortsgründungen mit der Endsilbe -leben zugeordnet. Ringleben ist jedoch weit älter als seine erste urkundliche Erwähnung. Es ist eine Gründung der in der Völkerwanderungszeit von 300 bis 351 aus dem Norden eingewanderten germanischen Angeln und Warnen. Zu jener Zeit war Ringleben wahrscheinlich ein Ort mit Einzelhöfen, die sich zu einem Haufendorf verdichteten.
Der Überlieferung nach wurde 1290 die Tretenburg bei Ringleben durch König Rudolf I. geschleift, 1309 erfolgte die Verwüstung des Ortes durch den Landgrafen Johann von Hessen. Die Übergabe des Ortes einschließlich der Gerichtsbarkeit an das Kartäuserkloster in Erfurt wurde durch den Landgrafen Friedrich von Thüringen 1433 vollzogen. 1542 wurde das Amt Ringleben gebildet, welches 1664 nach Großrudestedt verlegt wurde. 1640 waren als Kriegsfolgen von 75 Häusern über die Hälfte zerstört, von 454 Einwohnern waren nur noch 27 im Ort ansässig. 1815 wurde Ringleben im Austausch mit Nöda preußisch und 1823 konnte sich der Ort von den Fronverpflichtungen gegenüber dem Rittergut freikaufen, welches 1853 an 40 Einwohner käuflich aufgeteilt wurde (Quelle: http://www.ringleben.eu/)
Stammvater Johann Adam Röse, geboren um 1599/1600.
Johann Adam Röse
Die Veröffentlichung der Stammfolge des Geschlechtes Röse/Roese, 1974, im 14.
Niedersächsischen Geschlechterbuch zog die Aufmerksamkeit der Fachwelt besonders wegen seiner weltweiten
Verbreitung auf sich.
Die Auswanderer des Röse/Roese Stammes aus Ringleben, Kr.Erfurt in Thüringen.
Die ersten Röse-Auswanderer des Ringlebener Stammes waren die, die aus dem Herzogtum Thüringen "auswanderten" und um 1770 ins
Königreich Hannover übersiedelten (vgl.Vh/S.314). Um die Zeit erlebt der Name im Ringlebener Stamm auch seine erste Neuschreibung
Roese.
"Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wird der Familienname festbleibend "Röse" geschrieben; diese Schreibweise scheint auch die ursprüngliche und richtige zu sein. Die Form "Roese" ist, wie in einem Falle in der Familie sicher erwiesen, durch die Verwendung lateinischer Schriftbuchstaben entstanden und danach von den Nachkommen beibehalten worden. Dagegen ist die in älteren Urkunden überlieferte Lautwandlung "ö" zu "ee" und "ie" usw. allein auf landschaftlich bedingte mundartliche Einflüsse zurückzuführen [zwischen Harz & Thüringer Wald, zwischen Saale & Eder, aber auch in Niedersachsen & Schwaben]. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Familiennamen in früheren Jahrhunderten, insbesondere als noch viele Menschen auf dem flachen Lande nicht selbst lesen und schreiben konnten, ausschliesslich nach dem Gehör niedergeschrieben wurden. Daraus ergaben sich die Abwandlungen Röse(n)/ Roese/Rhöse/ Roesse/Rosse; Reese/ Rhese/Rehse/ Riese/Riesse und auch Reise/Reisse ......."
Inzwischen hat weitere Forschung gezeigt, dass sich durch die Abwanderung seit dem 19. Jahrhundert in eine anderssprachige Welt erneute Änderungen der Namensschreibung ergeben haben. Wie schon die ursprüngliche Namensvarianten auf mundartliche Unterschiede zurückzuführen sind, so basieren auch die neuzeitlichen Abweichungen auf sprachlichen Unterschieden. In der englischen Sprache gibt es bekanntlich den Umlaut ‘ö’ nicht. Die Variante ‘oe’ wird deshalb allgemein verwendet, um das ‘ö’ zu umschreiben. So hat erst kürzlich die nach Großbritannien umgezogene Frankfurter Familie Röse (XIIf) aus geschäftlichen Gründen die Schreibweise "Roese" übernommen. In den U.S.A. ist dieses schon seit je herkömmlich gewesen (zum Namen Roese in USA siehe HIER). In Australien dagegen wurde von den Gebesee-Nachkommen die Form "Rose" gewählt (Xu9). In beiden Fällen wird der Name englisch rose ausgesprochen. In einigen amerikanischen Telefonbüchern werden die Namen Rose und Roese daher auch mit einem Kreuzverweis geführt. Die über Ostafrika nach Südafrika ausgewanderten Nachkommen des Hauses Wismar (Xi) behielte jedoch die Namensschreibung Roese bei. In Dänemark wurde dagegen die Schreibweise Roese abgeändert, und zwar auf "Røse" (VIId). Die durch diesen Nachtrag notwendig gewordene Einordnung neuer Daten wird ohne Veränderung der in Band 167 gedruckten Bezifferungen vorgenommen, um eventuelle Irrtümer und Verwechselungen auszuschalten. Die Generationsziffern werden beibehalten, erhalten aber kleine Doppelbuchstaben (der zweite in alphabetischer Reihenfolge), und zwar bis zur Generation X. Danach wird die noch unverbrauchte ABC-Reihe weitergeführt, jedoch nicht mehr in fortlaufender Reihenfolge. Benutzte Quellen und Literatur: Andere Einzelheiten aus der Familiengeschichte:
Die Stammfolge erschien ursprünglich im
Deutschen Geschlechterbuch Band 167
(14. Niedersächsischer Band) 1974, S.253-416
Begonnen von Dr.Eduard Roese (1855-1918) & Dr.med. Hans Roese (1900-1970),
weiter recherchiert & zusammengestellt vom Einsender:
Friedrich Roese (1904-1984)
Ergänzungen und Berichtigungen erscheinen im
Allgem. Deutschen Geschlechterbuch Band 219, 2007, S.125-144
Einsender: Dr.Herbert Eckart Roese
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Stamm Ringleben ......................... Stamm Gangloffsömmern, usw. (z.B.:Zweig Clingen) >
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1.Hauptast Ringleben .............Hauptast Eisenach ........... 2.Hauptast Ringleben
usw..........................................usw........................................|
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2.Ast Ringleben ................................ Ast Nordhausen
Joh.Volkmar Röse...........................Joh.Christoph Röse
*1696......................................................*1702
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1.Unterast Ringleben ...2.Utst.Rgl......bis Zweig Warmsen ...........Zweig Göttingen ...............Zweig Hannover
Jacob Christoph Röse.......usw............Ludwig Roese.......................(erloschen).....................Georg F.Roese
*1753..................................................... *1777 ............................................................................*1781
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Carl Röse...........................................Georg Roese.........................................................G.Wilhelm Roese
*1851......................................................*1803..............................................................................*1807
usw. bis zu: ..... .....................................usw. bis zu:........................................................................usw
1.Haus Ringleben, (&2.& 3.)..........................|_______________________________...................|
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Haus Frankfurt..........................................Haus Edesheim ..........Haus Halle.......3.Hs.Berlin.......3.Haus Bremen
Albert Hugo Röse......................................Julius Roese...........Eduard Roese......(erloschen)......Wilhelm Roese
*1880.................................................................*1862 .....................*1855..........................................*1844
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ehemaliges Anwesen von Johann Friedrich Carl Röse in Ringleben.
und einige Ansichten der Ortschaft vor und nach dem Fall der Mauer.
(eingeklammerte Referenzen beziehen sich auf Generationsziffern und Seiten des Deutschen Geschlechterbuches Band 167).
Etwas später nahm ein Ringlebener Röse (vgl.Wilhelm R., VIb/S.277) den ersten wirklich grossen Schritt ins Ausland. Um 1810 wanderte
er nach Dänemark aus. Dort liess er sich als Bankkaufmann in Aarhus nieder und heiratete 1818 eine Dänin. Zweihundert Jahr später leben
seine Nachkommen immer noch dort.
Unter Zar Alexander I. wurde 1804 eine deutsche Bauernsiedlung bei Odessa in der Ukraine gegründet, im Gouvernement Cherson (Krim und Bessarabien).
Hiebei handelte es sich um einen ähnlichen Plan wie dem von 1764, als Katharina II. die ersten deutschen Siedler an die Wolga holte, ins
Gouvernement Saratow. Um 1888/90 lockte es gleich zwei Roesefamilien nach Russland. Bernhard R. (VIIIf/S.282) ging als Magazinverwalter
einer Fassfabrik nach Odessa am Schwarzen Meer. Er heiratete dort eine Deutsche. Vier seiner fünf Kinder wurden dort geboren und gingen auch zur
örtlichen Schule, der in Bromberg geborene sogar zum Gymnasium in Odessa. Der erste Weltkrieg trieb sie dann aber wieder nach Deutschland
zurück.
Hans R. (IXm/S.304), dagegen, siedelte als Gartendirektor eines schweizer Gummigaloschen-Unternehmens nach St.Petersburg über.
Um 1895 heiratete er dort eine Russin, Irina S. Ofschenikow. Sie hatten vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter. Sein überlebender Sohn
wurde Schiffsingenieur in der russisch-sowietischen Handelsmarine. Er heiratete lokal und hatte einen Sohn und eine Tochter (vgl.Xf1&2/S.305).
Nach dem Attentat auf Kirow, 1937 wurde Hans, im Zuge der ausbrechenden Deutschenverfolgung, zusammen mit seinem Sohn, Alexander Iwaniwitch, ins
Konzentrationslager Tschika in Tranbaikalien verschleppt. Sie sind dort beide verschollen. Ueber Nachkommen ist nichts bekannt; sie leben
aber eventuel weiterhin in Russland. Tochter Lena hatte einen Sohn Alexander (vgl. IXm3/2/S.304), der mit ihr 1944 von den zurückziehenden Deutschen nach
Bullendorf übersiedelte. Er wurde in Braunschweig Elektriker, kehte aber nach dem Tod seiner Mutter nach St.Petersburg zurück.
In einem weiteren Fall wurde eine Rösefamilie, die eventuel zum Ringlebener Stamm gehörte, um 1942/3 während des Zweiten Weltkrieges
als 'Volksdeutsche' (ehemalige Bauernsiedler) von Südrussland nach Ostpreussen umgesiedelt. 1945 flohen sie von dort nach Göttingen in
Westdeutschland. Die Nackommen leben weiterhin dort.
Als im 19.Jahrhundert dann hunderttausende von Europäern nach Nordamerika auswanderten, waren auch etliche Röse/Roese-Familien des
Ringlebener Stammes darunter. 1847 heiratete eine Emilie Roese (vgl. VIa9/S.269) aus dem 'Ast Eisenach' einen C.W.Schmeling. Zwischen 1850-60
schlossen sie sich den Auswanderern nach USA an. Dort hatten sie drei Söhne, deren Nachkommen nun Amerikaner sind. Um 1860 scheint
Emilie ihren Neffen Adolph Otto R. (vgl. VIIIb/S.271) nach USA geholt zu haben. Er heiratete dort eine Amerikanerin und liess sich als Kaufmann
nieder. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter von deren Nachkommen aber bisher nichts herausgefunden werden konnte. Die Spuren seiner
Schwester gingen im Namensgewirr des Landes unter.
Aus dem '3.Haus Bremen' wurden George R. und dessen Schwester Florence zu Houston in Texas geboren. Deren Vater Henry (vgl.IX5/S.341),
der in Hongkong eine Amerikanerin deutscher Abstammung heiratete, hatte dort eine Niederlassung seines Bremer Baumwoll-Kontroll Geschäftes.
Später übernahm Henry's Sohn George das väterliche Geschäft in Bremen, während dessen Schwester einen Kaufmann in Barcelona heiratete, wo auch ihre Kinder
geboren wurden. Zuletzt lebte sie und Ihre Kinder in der Schweiz.
Ein Sohn der Marie-Louise Roese, verheiratete Krueck (vgl. IXu2/S.340), und Cousine von George, wurde ebenfalls in USA geboren und verblieb dort.
Im Zuge der Nachkriegsauswanderungen endeten um 1950 gleich zwei Familien aus dem 'Zweig Warmsen' in USA. Meta Roeses-Braess' Enkelin,
Maria Pfeffer (verheitate Schnaitman) heiratete in Ohio, während ihre Schwester Irmgard Roese-Appel's Sohn Max mit seiner jungen Familie, über
Kanada nach New York auswanderten, um sich permanent anzusiedeln. Max wurde dort Professor der tierärztlichen Wissenschaften. Seine Nachkommen sind
heute Amerikaner.
Um die Jahrhundertwende (19./20.Jahrh.) zog Ostasien die europäischen Staaten an. Grossbritannien provozierte den Opiumkrieg in China, der
1898-1900 zum Boxeraufstand führte. In den wurde 1900 auch ein Curt Roese aus Eutin (vgl. VIIIh/S.287) als Soldat verwickelt.
Nach Wiederherstellung der europäischen Vormachtstellung in China beteiligte sich die Bremer Kaufmannsfamilie E.F.Wilhelm Roese (vgl.VIIIw/S.340) am Ausbau dieser wichtigen
Handelbeziehung. Von etwa 1902 bis 1913 wurde Hankau und Swatau in China, sowie nach 1920 Solo und Bodjouegoro auf Java zur langjährigen Heimat mehrerer
Mitglieder dieser Familie, deren Kinder auch dort geboren wurden. Einer davon, Dr.med.George W.C.Roese (vgl. IXu/S.340), liegt in Nord-Ost Indien begraben. Er starb
1943 in dem notorischen, britischen Konzentrationslager Dehra-Dun (das Lager wurde mir von meinem ehemaligen kapstädter Boss beschrieben, der dort
ebenfalls, als in Persien aufgegriffener Deutscher kurzfristig weilte). George's Bruder Eberhard starb 1909 in Swatau und wurde ebenda zur See bestattet.
Die Nachkommen dieser Familien leben aber grösstenteil wieder in Deutschland. Eine Ausnahme ist die Familie der Tochter von Marie-Louise Roese
(verheiratete Krueck), Hannelore Heuflinger, deren Nachkommen heute als Australier in Queensland beheimatet sind.
Ein Friedrich Karl Roese (vgl. VIIIp1/S.308), Sohn von Otto Roese aus dem "2.Haus Berlin", war als Manager und Dolmetscher im Globe
Hotel in Ceylon (Srilanka) angestellt. Er verscholl dort 1914 and es ist anzunehmen, dass ihn die Britischen Kolonialbehörden als Deutschen
'kaschierten'.
Als die europäischen Staaten dann Afrika aufteilten, war Deutschland bekanntlich mit von der Partie. Nach der Uebernahme von Tanganyika/Tanzanien
durch den deutschen Staat im Jahr 1891, wanderte um 1910 eine Susanne Roese, verheiratete Raab (vgl. VIIIo5/S.303), aus dem 'Haus Wismar' nach
dort aus. Ueber sie und ihr Leben in Ostafrika wurde in dem Buch "Afrika...heute!", von Cordt von Brandis berichtet (Traditions-Verlag Kolk & Co.,
Berlin SW68, ca.1930, S.161 etc). Sie führte eine erfolgreiche
Kaffeeplantage, erst bei Moshi und später bei Tinga Tinga. Ihr Mann fiel 1915 bei Jassini (Küstengrenzort mit Kenia) als Soldat der deutschen Schutztruppe.
Ihr folgte 1930 ihr Neffe Heinz Roese (vgl. Xi/S.306) als ihr Erbe, der bei ihr als Kaffeepflanzer wirkte und die Stellmacherei erlernte.
Im März 1939, sechs Monate vor Kriegsausbruch, wanderte Gerhard Roese (vgl. VIIIu10/S.332), ein Nachkomme des 'Hauses Edesheim', als Siedler
nach Tanganyika aus. Dies geschah im Zuge der Wiedererlangungsbemühungen deutscher Kolonien. Er wirkte als Kaffeeplantagen-Assistent bei dem
deutschstämmigen O.E.Becker bei Arusha am Meru. Eigentümlicherweise scheint er nicht von Frau Raabe oder Heinz Roese gewusst zu haben.
Im September 1939 wurde er jedoch mit anderen Deutschen in ein Internierungslager bei Daressalam eingewiesen und Ende des Jahres, als Mitglied der
NSDAP, des Landes verwiesen. Er fiel 1942 als einer von Rommel's Soldaten bei Tobruk in Lybien. Heinz Roese und seine junge Familie blieben bis etwa 1948 in Tanganyika,
bis die Mau-Mau Aufstände im Nachbarland die Zukunftsaussichten der Familie mit vier Kindern unsicher machten. Sie wanderten nach Kapstadt in Südafrika aus.
Von 1962 bis 1967 war ein Neffe von Gerhard R., Herbert Eckart Roese (vgl.IXt3/S.335) als Ingenieur für die Firma Robert Bosch in Kapstadt wohnhaft. Seine Frau
und er waren über Grossbritannien nach dorthin ausgewandert, kehrten aber anschliessend über USA nach London zurück.
Der im Boxeraufstand verwickelte Curt Roese (siehe oben) wurde auch als Schutztruppen-Soldat 1904 nach Südwest-Afrika geschickt. Er diente dort als Reiter während
des Hereroaufstandes. Ein Jahr danach, 1905, wurde er verwundet und kehrte nach Deutschland zurück. Die offizielle Verlustliste führt ihn unter Nr.49, "Reiter Roese,
Ersatzkompanie 1a früher Seebattalion, verwundet am 12.5.1905". In dem Buch "Peter Moors Fahrt nach Südwest", von Gustav Frenssen (G.Grotesche
Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1927) wurde von diesen Reitern berichtet.
Der Sohn Leo von Emilie Roese, verheiratete Glahn (vgl. VIIn1/S.338) war während der Kolonialzeit Bezirksrichter in Kamerun, also vor 1914. Ein zweiter
Sohn von ihr, Friedrich Glahn, war Kapitän der Handelsmarine und in der Schutztruppe in Neu Guinea. Er wurde dort Invalide.
Als Konsequenz des Zweiten Weltkrieges erlebte auch Karl Roese aus Hamburg, 'Haus Eutin, (vgl. IXe/S.285) in Südamerika Schwierigkeiten. Er wanderte 1924
nach Uruguay aus und siedelte 1930 nach Argentinien über. 1945 wurde er aus dem Dienst als Lehrer einer deutschen Schule entlassen, fand aber eine Anstellung
bei einer deutschstämmigen Firma in Buenos Aires. Seine Nachkommen sind heute eingefleischte Argentinier.
Seit 1969 war Bernward Roese (vgl. Xp/S.334) aus dem 'Haus Edesheim' als Kfz-Ingenieur bei der Firma Robert Bosch in Rio de Janeiro/Brasilien tätig.
Er heiratete dort eine Brasilianerin und soll (laut Bericht eines ehemaligen Studienkollegens) fuenf Kinder gehabt haben.
Ein weiterer Nachkriegs-Auswanderer war der Gebesee Nachkomme, Manfred Röse (vgl. Xu9/S.360). Er siedelte sich mit seiner aus Heidenheim stammenden
Frau und Adoptiv-Tochter in Queensland in Australien an, wo er als Landwirt wirkte. Zuerst in der Milchwirtschaft, danach Leiter einer Avocadoplantage. Seine
Tochter ist Lehrerin und lebt in Perth. Manfred war als Geschäftsmann gezwungen seinen umlautgeschriebenen Namen zu anglisieren. Er schrieb ihn seither "Rose".
Aus dem 'Haus Bremen' gelangten, nach mehreren Generationen und über den Umweg von Java, etliche Roese-Krueck-Henfling Nachkommen nach New South Wales
und Queensland in Australien. Sie hatten dort eine Kleiderfabrik. Auch aus der Kapstädter Familie von Heinz Roese lebt eine, die älteste Tochter, in Australien; ihr Mann
ist gebürtiger Australier aus Perth.
Auch Grossbritannien wurde für einige Röse/Roese Nachkommen zur neuen Heimat. Seit 1890 lebte Otto Roese (vgl. VIIIt/S.324) zwanzig Jahre lang in London,
wo er für die Deutsche Bank tätig war. Seine vier Kinder wurden dort geboren. Sohn Herbert besuchte kurzzeitig als Student das Lincoln College in Oxford. Er fiel 1915
als Leutnant der Reserve in Polen. 1914 wurde die Familie aber ausgewiesen. Otto's Enkelin, Brigitte Appel (VIIIt4/4.S.326) kehrte jedoch als Ehefrau eine britischen Soldaten um 1960 nach
Grossbritannien zurück. Sie und ihr Mann haben zwei Söhne.
Eine Schwester Otto's, Caroline, heiratete einen Thiemann, dessen Sohn sich als Bankkaufmann in London ansiedelte. Seine Nachkommen leben heute noch dort.
Aus dem 'Zweiten Haus Hamburg' verheiratete sich Ingrid Roese (vgl. IXd1/S.284) in Grossbritannien, u.z. mit einem Pettengell. Aus dieser Ehe ging eine Tochter
hervor. Ingrid's beiden Söhne aus einer vorhergehenden Verbindung nahmen den mütterlichen Mädchennamen Roese an, fügten dann aber den Namen Pettengell
dazu.
1960 heiratete Herbert Eckart Roese (vgl. IXt3/S.335) in Ystalyfera/Wales Caryl Roberts. Nach Jahren in London und Uebersee siedelten sie sich permanent in Cardiff
an, wo auch schon 1907 ein Bruder seiner väterlichen Grossmutter Borchers als evangelischer Missionar vorüberghend aktiv war (Seelsorger
für Skandinavische Seeleute).
Das aus dem 'Ersten Haus Ringleben' hervorgehende 'Haus Frankfurt' (Nachtrag im DGB Band 219/S.133) wanderte teilweise 1974 nach Grossbritannien aus.
Siegfried Röse's Sohn, Karl-Heinz, hatte Jeanne Marshall aus Nottingham geheiratet und liess sich, nach einigen Jahren in der Schweiz, in Southampton nieder.
Er betreibt dort seine eigene Ingenieursfirma. Sein Vater und seine Mutter (zwischenzeitig verschieden) lebten bis 1988 In Hythe bei Southampton, kehrte danach
aber nach Frankfurt zurück. Karl-Heinz schreibt seinen Namen in Grossbritannien mit 'oe'. Seine Tochter und sein Sohn leben ebenfalls in Southampton.
"Der Familienname gilt als Berufs- oder Herkunftsname und wird namenkundlich von dem altdeutschen Wort "röse" (adjektivisch="rösen") = Röste, Roste (rösten) hergeleitet. In Nordhessen, Südniedersachsen und Westthüringen findet man den Begriff vorwiegend in der Wortverbindung "Kalkröse", "Kalkröste" und "Kalkrese". Er bezeichent einen Kalkofen oder die Kalkbrennerei im Feldbrand........... In anderen deutschen Landschaften versteht man unter "röse" bzw. "roesse" auch eine Hanf- oder Flachsröste, also ein Gestell, auf dem die vorher im Bach gewässerten Hanf- oder Flachsstengel über leichtem Holzkohlenfeuer vor dem Brechen geröstet und spröde gemacht wurden. In beiden Fällen ist also eine sinngleiche Grundbedeutung erkennbar, nämlich einen Werkstoff "rösten" bzw. "rösen"......."
Etwa 40Km noerdlich von Ringleben gibt es in der Nähe von Sondershausen einen
"Steinbruch an der Röse", eine Landstrichbezeichnung, die allerdings noch unerklärt ist. In der Gegend gibt es aber
Kalk/Gips-Steinbrüche und das Kaliwerk "Glückauf" in Sondershausen
"Die ältesten bisher ermittelten Vorkommen der Röse aus Ringleben bei Erfurt in Thüringen gehen auf das Landsteuerregister von 1557 zurück" (Teilzitate: Seiten 254/5 aus dem 14.Niedersachsenband 167).
1.) Biographisches Lexikon Hervorragender Ärzte des 19.Jahrhunderts, 1901 & 1933.
2.) E.Jörns, "Der Weg eines Geschlechtes in die Welt", Northeimer Neueste Nachrichten 29.10.1974.
3.) H.E.Roese, "History of a South Wales Family through Public Records", Brycheiniog Vol.XIX, 1980/81, Seiten 69-73.